Die Essenz der Digitalisierung.

KEYNOTE am 28. September 2023 in der Allianz Arena Digital Leaders Afterwork München für führende CIOs Alex Betz | Enthusiastic Entrepreneur & Experienced Executive

Guten Abend meine verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich fühle mich hier heute ein wenig wie im Schlauchboot auf hoher See – denn was könnte ich den hier anwesenden außerordentlich erfahrenen Experten in Sachen Digitalisierung noch sagen? Und ist es vor diesem Hintergrund nicht geradezu überheblich, gar die „Essenz“ der digitalen Trans–for–mation anzukündigen? Andererseits: Ihr seid die CIOs führender Unternehmen. Damit seid Ihr – nicht nur, aber auch – vor allem sehr erfahrene IT-Experten, richtig? Und klar ist ja: Digitalisierung ist kein IT Projekt! Und die digitale Transformation schon gleich gar nicht! Bitte versteht mich nicht falsch: Ich bin auf Eurer Seite. Ich möchte lediglich gemeinsam mit Euch herausarbeiten, wie viel mehr neben der IT für das Gelingen einer digitalen Transformation er¬forderlich und – in der Konsequenz – von Euch im Unternehmen einzufordern ist.

Doch der Reihe nach. Bitte lasst uns in aller Ruhe über das WARUM, das WAS und das WIE sprechen.

WARUM also überhaupt Digitalisierung? Denn digital sind die Unternehmen ja in der Regel bereits. Indem beispielsweise die Mitarbeitenden täglich

• neue Exceltabellen und Powerpoint-Präsentationen erstellen – manuell und mit fehlerhaften Daten,

• Meetings via MS Teams abhalten – vorzugsweise ohne Tool mit Agenda und Aufgaben,

• ein neues Projekt starten – in ihrem Silo und gerne unbeirrt vom übergeordneten Zielbild.

Selbstverständlich läuft das alles bereits „digital“, zumindest in sog. Digitalisaten.

WAS also digitalisieren?

Der reinen Lehre nach fragt man zuerst den CEO nach der Unternehmensstrategie und den CIO nach der Enterprise Architecture. Aber wie Ihr wisst, gibt es ja erstere nicht, also zumindest eher selten, und in der Folge ist dann auch zweitere oftmals eher so la la. Am besten sehen wir uns daher einfach mal direkt das Geschäftsmodell an. Um Gottes Willen, so wie es gerade ist, wollen wir es natürlich nicht digitalisieren. Würde man es aufmalen, so sieht es in etwa wie die Bauzeichnung von Stuttgart 21 aus. Aber im Ernst. Lasst uns bitte zunächst mit den Führungskräften und deren Mitarbeitenden cross-funktional durch alle Bereiche abstimmen, wie die Geschäftsfelder und deren Services eigentlich organisiert sein sollten. Achtung: Aus Kundensicht. Wird bei Euch bereits so gemacht? Kann ich kaum glauben. Dann auch aus Sicht der Partner. Und danach aus Unternehmens- sowie aus Mitarbeitersicht. Stopp. Auch das Ergebnis daraus digitalisieren wir bitte auf gar keinen Fall. Denn jetzt beginnt überhaupt erst die Entwicklung des Zielbilds, des neuen „Operating Model“:

• Wir entwickeln die Geschäftsfelder von linear zu skalierbar weiter.

• Wir vernetzen die Geschäftsprozesse und eliminieren Doppelungen.

• Wir ordnen die Rollen und Services entlang der Wertschöpfungskette.

Wow, und nochmals einen wunderschönen guten Abend meine hoch geschätzten CIOs:

Jetzt, erst jetzt überlegen wir uns tatsächlich auch, welche IT-Infrastruktur, welche IT-Anwen-dungen, welches Datenmodell und welche Schnittstellen werden benötigt, um das neue Betriebs-modell digital zu gestalten und technisch zu betreiben. Doch selbst das beste Zielbild hilft uns bekanntlich nicht weiter, wenn wir nicht wissen, WIE wir es in einer digitalen Transformation erfolgreich umsetzen. Ja, auf das WIE der Umsetzung kommt es maßgeblich an. Die Transformation vom Status Quo in das ambitionierte digitale Zielbild kann nur ganzheitlich im Dreiklang aus Technologie, Organisation und Kultur erreicht werden. Und: Es kann nicht von außen verordnet und implementiert werden. Du musst es also selbst tun! Eine unabdingbare Voraussetzung liegt daher darin, intern eine Kultur der modernen Zusammen-arbeit und des positiven Gelingens zu etablieren.

Dazu gilt es zunächst, das übergeordnete Zielbild auch zum motivierenden Ziel aller Mit¬arbeiten-den zu machen. Dieses einmal erfolgreich „eingepflanzt“, wird die Realisierung durch ehrliches Empowerment konsequent verstärkt. Die Mitarbeitenden kennen die Details am besten. Fehler sind ausdrücklich erlaubt, aber eine rigide eingeforderte und vorbildlich vorgelebte Transparenz ist das Korrektiv. Beides erfordert Mut. Beides ist für den Erfolg der Transformation entscheidend.

Alle Schritte und Maßnahmen erfolgen stets in bereichsübergreifender Zusammenarbeit entlang der als „Products“ definierten Themenstellungen. Die Ziele werden in auf kleine Zeiträume re-duzierten „Objectives“ gestaltet und stets bereits vorab die erwarteten „Key results“ vereinbart. Ich empfehle, alles immer gleich in Echtzeit in einem einfachen Onlinekollaborationstool gemein-sam zu entwickeln und zu dokumentieren. Die zusätzliche Einbindung anspruchsvollerer Projekt-management- und Ticket-Tools ist absolut sinnvoll, will aber gekonnt und aktiv gesteuert sein. Vielleicht mein wichtigstes Learning aus vergangenen Digitalisierungsprogrammen: Stets zuerst die Organisation adaptieren und die Services definieren. Erst dann digitale Lösungen einführen.

Jetzt gilt es daher, die gesamte Organisation in ihrer Struktur, in ihren Rollen & Verantwortlich-keiten und in ihren Ende-zu-Ende Geschäftsprozessen nahtlos entlang der Wertschöpfung auf operative Exzellenz zu trimmen.

Ich empfehle, gemeinsam mit den Mitarbeitenden einen Servicekatalog zu entwickeln, aus dem alle Kernleistungen klar hervorgehen, ihre Nahtstellen zu anderen Geschäftsbereichen definiert sind sowie aussagekräftige qualitative und quantitative KPIs ausgewiesen werden. Dieser Service¬katalog führt nicht selten zur Wertschätzung und sogar Stolz bei den ausführenden Bereichen und Mitarbeitenden, was die Motivation nachhaltig hebt. Selbstredend, dass die Hierarchie auf ein sinnvolles geringes Maß reduziert und alle Aufgaben funktions- und zielorientiert organisiert werden. Ein kurzer Zwischenstand: Wir haben nunmehr ein motivierendes Zielbild eingebracht, wir haben ein kollaboratives Miteinander eingeführt und wir haben die Organisation produktorientiert entlang der Wertschöpfung adaptiert. 

So lasst uns nun, und ich verspreche, es ist heute Abend meine letzte kleine Provokation, zum einfachsten Teil kommen: Zur IT. Die Technologie ist gleichwohl der Schlüssel zur Skalierung des Geschäftsmodells, zur Effizienz in der operativen Exzellenz und letztlich zum sicheren Betrieb aller Geschäftsprozesse. Und damit sind wir auch an der Stelle angekommen, an der ich bereits eingangs sagte, hier ange–sichts der hier eindrucksvoll vertretenen Expertise nichts weiter beitragen zu können.

Daher in aller Kürze: Alle Daten bitte nur einmal speichern, bitte unter–nehmens–weit und entlang der Wertschöpfung stets nur eine Anwendung je Dienstleistung einführen, bitte alle Stakeholder digital einbinden oder über moderne APIs anbinden und – nach meiner persönlichen Einschätzung – dem „Best-of-Suite“-Ansatz folgend möglichst wenige, aber strategisch umfassende IT-Plattformen unter–nehmens–weit etablieren. Eine Selbstverständlichkeit am Rande: Am besten gelingt das alles natürlich mit Nutzung der Bee360-Lösung, so viel Werbung für den Gastgeber und Dank an dieser Stelle sei hier heute erlaubt. Ich hatte Euch ja recht großspurig die „Essenz der Digitalisierung“ versprochen. Daher fasse ich nochmals zusammen:

1 | Digitale Transformation ist kein Selbstzweck. Am Anfang steht ein ambitioniertes digitales Zielbild. Aus Kundenperspektive. Gleichzeitig wird das Unternehmen moderner positioniert.

2 | Digitalisierung greift zu kurz. Wirksame Transformation erfordert eine 360° Gestaltung der Organisation, Kultur und Technologie. Nahtlos und skalierbar entlang der Wert¬schöpfung.

3 | Modernisierung gelingt nur von innen heraus. Du musst die Transformation selbst, agil, unternehmens¬weit, bereichs–über–greifend, schrittweise und vollständig transparent umsetzen.

Viel Erfolg! Nun freue ich mich auf eine intensive Diskussion sowie einen schönen gemeinsamen Abend.

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